Deshalb meine kleine Erfolgsstory vorweg:
Mein Name ist Eckard Maurus.
Als junger Mann übernahm ich die Abteilung Materialwirtschaft (Logistik) einer großen Münchener Firma für Flugzeugturbinen und stellt bald fest, dass unser Krankenstand weit über dem Unternehmensdurchschnitt lag. Das passte mir überhaupt nicht. Ich war ehrgeizig und wollte aller Welt beweisen wie gut ich bin.Was machte ich? Ich sah mir den Krankenstand meiner Mitarbeiter (ca. 150) genau an und hatte dann eine Rangreihe. Was sollte ich jetzt tun?
Ich weiß, dass ich nichts weiss
Nun, ich rief meine Gruppenleiter zusammen und präsentierte ihnen meine Ergebnisse, die müssten ja eine Lösung wissen.. Ich war damals 34 Jahre alt, meine Mitarbeiter alle älter als ich, ich war ein wenig unruhig. Nun die sagten, die Zahlen kennen wir, da kann man nichts machen, das war immer schon so. Sollte ich aufgeben? Die alten Hasen wussten keine Lösung, ja ich gab zunächst auf.
Ausdauer siegt
Aber die Sache ließ mich tagelang nicht los. Immer wieder schaute ich mir die Liste an, rauf und runter. Da machte es klick. Ich bat meine Sekretärin die Liste nach den Arbeitsgruppen zu sortieren. Der andere Blickwinkel. Das Ergebnis war verblüffend: In den kleinen Gruppen bis zu 5 Mitarbeitern waren sie entweder gesund oder sehr krank. In den größeren Gruppen lagen sie im Durchschnitt. Was war da los?
Vorschlag des Ältesten – große Skepsis
Ich vereinbarte für den nächsten Tag eine Besprechung mit meinen Gruppenführern und präsentierte die neue Auswertung. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Nun, die lachten und sagten, das hätten wir ihnen gleich sagen können, das wissen wir schon lange. Dort wo die Gesunden sind, da vertragen sich die Leute sehr gut und in den kranken Gruppen, da sind sie wie Hund und Katz.
Nun wars heraus? Was tun? Lange Gesichter. Da kann man nichts tun. Dann aber meinte eder älteste Gruppenleiter (65), man könnte vielleicht die Gruppen umbauen und die Mitarbeiter zusammenbringen, die besser zueinander passen. Das war so neu und ungewohnt, dass wir uns das kaum vorstellen konnten. Ich bat meine Gruppenführer darüber nachzudenken und sich auszutauschen. Ich war skeptisch.
Die überraschende Lösung-ja besser als der Durchschnitt
Bei der nächsten Gesprächsrunde fanden meine Gruppenführer das dann doch gut. Sie hatten sich lange beraten. Wir haben unsere Gruppen so umorganisiert, dass Menschen besser zusammenpassten. Unser Krankenstand war nach einem Jahr besser als der Durchsachnitt.
Investitionen? Keine.
Wir waren stolz auf unsere Leistung und die Mitarbeiter fanden das toll.
Was war da eigentlich passiert?
Nun etwas ganz Einfaches. Es fing an mit einer Prozentzahl, dem Krankenstand meiner Abteilung. Es ging weiter mit meiner persönlichen Unzufriedenheit damit. Dann versuchte ich mit meinen Gruppenführern eine Verbesserung zu erreichen, was zunächst daneben ging. Meine Hartnäckigkeit und die Idee eine Mitarbeiters und die Einsicht meiner Gruppenführer und der Mitarbeiter führte dann doch zu einer prima Lösung.
Was habe ich gelernt?
Damals nicht viel. Heute kann ich sagen: Benutze dein Gehirn, deine Augen, deine Ohren, deine Hände, deinen Bauch und deine Erfahrung, arbeite mit den Leute, rede mit den Leuten, hör ihnen genau zu, schau genau hin wie sie arbeiten und du begreifst, um was es im Kern geht und dann entstehen die erstaunlichsten Lösungen. Ist das eine Methode? Ja, lernen durch Tun, denken durch Tun, handeln durch Tun. Aus dem methodischen Erleben des Alltags entsteht die beste Lösung zusammen mit den Mitarbeitern.
Das Tagesgeschäft verhindert oft gute Lösungen
Mein Chef meinte damals, prima aber das ist ja auch ihre Aufgabe. Nun sicherlich. Aber später habe ich mir im Tagesgeschäft oft nicht mehr die Zeit genommen, um vergleichsweise gründlich und einfallsreich vorzugehen. Ich war nur noch Chef, der das Geschäft steuerte und sich immer weniger Zeit für grundsätzliche Fragen nahm.
Was war ich? Was wurde ich?
Am Anfang war ich als junger Abteilungsleiter BeraterUNDMitarbeiter nur hätte ich das damals so nicht sagen können. Also eine Kombination aus Berater und Mitarbeiter. Warum wurde ich im Laufe der Zeit zum Chef, der immer weniger nach grundsätzlichen Lösungen suchte? Routine, Alltag, Trägheit, kein Lob von Oben etc. So holte ich mir später hin und wieder Berater ins Haus. Die wurden ja für kluge Vorschläge gut bezahlt. Nicht immer waren deren Vorschläge von Erfolg gekrönt, weil so nicht umsetzbar.
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